Vernissage

Am 25.7. war die Vernissage bei draußen 27 °, in der Unterkirche sehr angenehmen Temperaturen und trotz Ferienzeit einer reichlichen Zahl an Gästen.

Pfarrer Hoberg begrüßte alle mit einer außerordentlich freundlichen und persönlichen Rede und stellte seine 2 „Lieblingsbilder“ mit ebenso außerordentlich treffenden Assoziationen vor.

C. interviewte mich zur Entstehungsgeschichte der Collagen und V. und B. inszenierten eine dadaistische Text-Collage.

Bei Sekt und Selter ging es lebhaft und ausgesprochen heiter weiter.

Mit so viel toller Resonanz hatte ich nicht gerechnet und entsprechend beseelt und glücklich war ich mit diesem Abend.

Nun sind die Collagen noch bis zum 16.8. u besichtigen.

Vorbereitungen für die Ausstellung in St. Nikolai

3 Tage vor Eröffnung treffen sich ein Grafiker, eine Grafikerin, ein ehemaliger Psychiater, ein Architekt und ich, um die Bilder für die Ausstellung zu hängen. Im Vorfeld ist die Mehrzahl von uns davon ausgegangen, dass wir mindestens 2 Tage dafür brauchen werden. Immerhin sind es 97 Bilder, die ausgerichtet an einer Linie aufgehängt werden sollen, dazu kommen die 97 Bildunterschriften.

Dankenswerter Weise bekommen wir 100 Schnüre mit Aufhängevorrichtungen für die Bilderleisten ausgeliehen. Die müssen zunächst entwirrt, dann zugeordnet, in der passenden Anzahl in die Leisten eingehängt werden. Es gibt eine Hängeplanung, die ich erstellt habe. Alle Bilder haben Namen und Nummern und dann beginnt das Suchspiel, welches Bild wohin gehört.

Als sehr wichtiges Hilfsmittel haben wir einen Laser, der uns hilft, eine Linie zu definieren, an der die Unterränder der Rahmen ausgerichtet werden.

Und es sind Profis am Werk! Wir sind ein super Team und es macht tatsächlich einfach Spaß, so gemeinsam zu arbeiten.

Wir kommen so gut voran, dass wir es an einem ! Tag schaffen, alle Bilder zu hängen und auch die Bildunterschriften zuzuordnen und anzubringen.

Raus aus dem Schatten

Ausstellung 25. Juli – 16. August 2026

St. Nikolai – Am Alten Markt – 14467 Potsdam

Vernissage
Samstag, 25. Jli 2026 – 16.00 Uhr

Preisverleihung

Von dieser Berlinale habe ich weniger mitbekommen als in anderen Jahren. Deshalb bin ich auch relativ leidenschaftslos, was die Preise betrifft. Ich freue mich aber, dass Ruth Beckermanns „Favoriten“ den Friedensfilmpreis bekommen hat.

Ich sehe mir die Preisverleihung an und bin zunehmend fassungslos.

Während Mariette Rissenbeek noch die Hamas auffordert, die verbliebenen Geiseln freizulassen, die israelische Regierung bittet, das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung zu lindern und einen baldigen Frieden zu ermöglichen, gibt es im weiteren Verlauf ausschließlich propalästinensische Statements, Preisträger mit Palästinensertüchern überm Anzug auf der Bühne, keine andere Stimme, schon gar keinen Widerspruch, dafür aber Applaus und erhobene Fäuste im Publikum. – Was ist das los? – Zum Fremdschämen ist es, als dann auch noch die junge Jurorin, deren Namen ich nicht mehr weiß, nach ihrer kurzen Rede auch schnell noch ihre Faust heben muss – wie um zu sagen, sie gehöre auch in den Club.

Auch sonst ist es merkwürdig. Der Preisträger des Films „Pepe“ (das in 3 Sprachen redende Nilpferd) wundert sich, dass er überhaupt einladen wurde. Es gipfelt darin, dass der koreanische Filmemacher Hong Sangsoo, der für „A Traveler’s Needs“ den großen Preis der Jury bekam, sichtlich irritert und sonst sprachlos meint: „Ich weiß nicht, was ihr in meinem Film gesehen habt.“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Gloria!

Sektion: Wettbewerb Italien/Schweiz 2024 106 Minuten

Sprache: italienisch, deutsche und englische UT

Wieder Zoo-Palast, diesmal sehen B. und ich einen Wettbewerbsfilm, aber leider auch den letzten der diesjährigen Berlinale, mehr Karten haben wir nicht bekommen.

Inzwischen weiß ich, dass das Zauberwort „Früheinlass“ (für Menschen mit Behinderung) heißt. Das ist super, nur leider sitzt B. in der S-Bahn fest. Die Leute am Einlass heute sind informiert und hilfreich, sie lassen mich schon rein, die S-Bahn fährt irgendwann weiter und so sitzen wir schließlich fröhlich und entspannt zusammen im großen Saal.

Heute geht es nach Venedig im Jahr 1800 in eine heruntergekommene Musikschule für verwaiste Mädchen. Wir haben es mit einem Kostümfilm der etwas anderen Art zu tun. Schon der Anfag ist fulminant und ungewöhnlich: eine junge Frau (Teresa) verteilt Rhythmusinstrumente an Kinder, als nächstes sieht man den Hof der Musikschule und viele junge Frauen, die Wäsche waschen, aufhängen, den Hof fegen,… und schließlich im zur von Teresa imaginierten Rhythmus tanzen und ihre Arbeit verrichten, das alles sehr schwungvoll und gut gelanut – bis die Szene abbricht und in die Ralität zurückfällt.

Aufregung in der Musikschule entsteht durch die Ankündigung, dass der Papst nach Venedig kommt und ihm natürlich ein besonderer Empfang bereitet werden, am besten mit einem neu komponierten Meisterwerk. Dafür ist Maestro Perlina zuständig, der das Orchester der jungen Frauen leitet und eine Mischung aus despotisch und trottelig ist. Er bringt nichts zustande und verzweifelt. Das Angebot der Mädchen, die selbst komponiert haben, lehnt er voller Ignoranz ab.

Den Mädchen der Musikschule wird ein Flügel gespendet, der aber als Teufelszeug gilt und dehalb im Keller versteckt wird. Die stumme Teresa entdeckt in beim Putzen. Mit dem Flügel entdeckt Teresa ihre Musikalität und letztlich auch wieder ihre Stimme. Sie probiert etliches aus und es entstehen dabei auch Jazz-Rhythmen und ein Hauch von Swing. Damit wird spätestens klar, dass dies kein üblicher Kostümfilm ist.

Es kommen noch vier andere Mädchen dazu und Nacht für Nacht treffen sie sich nun heimlich dort, experimentieren, konkurrieren, improvisieren. Sie verlassen ihre zeitgenössische Barockmusik.

Wenn man sich auf die Anarchie und den Witz einlässt, macht der Film Spaß. Und es gibt einen historischen Hintergrund: Solche „Ospedali“ genannten Einrichtungen haben in Venedig tatsächlich eine Tradition und gelten als Vorläufer der Konservatorien. Das bekannteste ist das „Ospedale della Pietà“, in dem auch Vivaldi unterrichtete. Peter Schneider hat darüber den Roman „Vivaldis Töchter“ geschrieben.

Die Handlung des Filmes eskaliert schließlich im Besuch des Papstes, die Schülerinnen schalten ihren fürchterlichen Maestro aus, indem sie einschließen und dann ihre Musik spielen, was zu ungewohnter Dynamik in der Kirche führt, ein Teil der Gemeinde tanzt begeistert, andere kollabieren und der Papst flippt aus.

Die Regisseurin Margherita Vicaria ist eine italienische Schauspielerin und (Pop-)Musikerin. Sie hat den Film allen Komponistinnen und Musikerinnen dieser Zeit gewidmet, die unbekannt geblieben sind. Wie in ihrem Film polarisiert sich auch die Reaktion des Publikums: bei der Premiere zwei Tage vorher gab es begeisterten Applaus und Buhrufe.

Wir haben die Leichtigkeit genossen und als Gegengewicht zu dem vielen Schweren genommen.

Il cassetto segreto

Sektion: Forum dokumentarische Form Italien/Schweiz 2024 132 Minuten

Sprache; italienisch/englische UT

Als dritten Film sehen wir einen Dokumentarfilm von Costanza Quatriglio.

Sie filmt ihren betagten Vater in seiner Wohnung, die voller Bücher ist, so sehr, dass man die ursprüngliche Funktion des jeweiligen Raumes nicht mehr erkennen kann. Alles ist mit Büchern zugewuchert. Außer Büchern gibt es noch jede Menge Kartons mit sw-Negativen, Kisten mit Filmen, Tonkassetten, Dias, Skulpturen, Bildern, die Ihr Vater (Jahrgang 1922) im Laufe seines bewegten Lebens gesammelt hat. Giuseppe Quatriglio war ein sizilianischer Journalist und Autor, er ist weit gereist und schrieb in ein Tagebuch „Es darf kein Tag vergehen, ohne dass ich mindestens eine Zeile geschrieben habe“. Da ist einiges zusammengekommen, er hat alles aufbewahrt und geordnet. Costanza interviewt ihn seit 2010/2011 in seinen Räumen und kommt ihm vorsichtig näher.

2017 ist er gestorben und nun macht sie sich ans Ausräumen der Wohnung und filmt diesen Prozess. – Wohin mit den ganzen Büchern? Sie spendet sie an eine Bibliothek in Palermo. Da kommen Profis, sie sortieren, archivieren und das in einer mit unerschütterlicher Beharrlichkeit und Unaufgeregtheit. Zwischendurch bricht ein ins Ungleichgewicht geratenes Regal zusammen, das passt. Man sieht kaum einen Fortschritt.

Im ersten Teil des Films faszinieren mich die Fotos, die Giuseppe auf seinen Reisen gemacht hat. Da ist er mit Cary Grant, Winston Churchill, in New York, Paris, Berlin (!963), die sind spannend und ich würde gerne länger schauen. Ich bin überfordert, zu viele Eindrücke: schneller Bildwechsel, italiensiche Sprache, englische Untertitel, puh. Dafür wird die zweite Hälfte des Films langsam und langatmig. Costanza kann sich nicht trennen und filmt alles ganz genau ab. Sie filmt sich, wie sie sich in all dem verliert und das ist in der Ausführlichkeit nicht interessant. Man ahnt, dass sie hier einen Vater kennenlernt, der nicht sehr viel zu Hause war und wie schwer ihr das Loslassen fällt. Sie lernt sein Leben vor ihrer Geburt kennen, immerhin war er 51 als sie geboren wurde und kein Kind von Traurigkeit, 20 – 30 Fotos von Frauen lassen vermuten, dass er sein Leben genossen hat.

Über ihre Mutter erfährt man, dass sie als Anwältin mit ihrer Kanzlei einen eigenen Raum hatte, nur so habe sie überleben können.

Besonders und sehr passend ist die Musik. Der Film gefiel mir, aber durch Kürzungen wäre er prägnanter und noch besser. Nach ausführlichen Q&A tauschen C. und ich uns über das Gesehene aus und ergänzen jeweilige Lücken.

Filmtipp im Fernsehen

Parallel und passend zur Berlinale gibt es im rbb oft interessante Filme. Deshalb hier ein Tipp: „Komm mit mir ins Cinema – Die Gregors“, eine Dokumentation über Erika und Ulrich Gregor, die seit über 65 Jahren ein Paar sind, u.a. das Kino Arsenal und die Freunde der deutschen Kinematothek gegründet haben und weiterhin in Sachen Kino unterwegs sind. Deutsche Filmgeschichte, bis zum 15.3.2024 in der ARD-Mediathek

https://www.ardmediathek.de/video/dokumentation-und-reportage/komm-mit-mir-in-das-cinema-die-gregors/rbb-fernsehen/Y3JpZDovL3JiYl8yMGJjZDU1Yy01ZTJkLTRlZTctYmYwZS0zMDBhMDMzODgzOWZfcHVibGljYXRpb24

Between the temples

Section: Panorama USA 2024 112 Minuten

Sprache: englisch

Durch den Berliner Nieselregen geht es heute Nachmittag zum Zoo-Palast. – Es gilt, ein „Berlinale-Trauma“ zu heilen. – Hoffentlich jedenfalls. – R. hat die Bilder des fürchterlichen Films von vor einigen Jahren immer noch im Kopf und ist erstmal skeptisch, sich auf weitere Berlinale-Erfahrungen einzulassen. Erfreulicher Weise kommt er doch mit und ich bange etwas, ob es gut geht.

Wir sehen einen amerikanischen Film über einen Kantor, der Glaubenszweifel hat und seine Stimme verloren hat. Laut Filmbeschreibung handelt es sich um eine „warmherzige, neurotische Komödie von Nathan Silver (, die) die Wechselfälle des Glaubens untersucht und die Frage, was einen anständigen Menschen ausmacht.“ Das klang ganz gut. Im „New Yorker“ wurde Silver als einer der „originellsten zeitgenössischen amerikanischen Independent-Filmemacher bezeichnet“.

Der Film geht los und durch die griseligen, grobkörnigen Bilder und die Musik fühle ich mich umgehend in Filme der 70er Jahre zurückversetzt. Mhm, … und ich verstehe kein Wort. Das kann ja heiter werden, denn die ersten Gags verpasse ich schon mal, jedenfalls lachen einige im Kino herzhaft. Auch R. sitzt ohne nennenswerte Regung neben mir. Irgendwann hören wir uns ein, das nuschelige amerikanische Englisch ist nicht einfach zu verstehen.

Der Protagonist ist ein etwas übergewichtiger, unglücklicher und indifferent wirkender Kantor, der aus der Synagoge flüchtet, weil seine Stimme versagt. Er irrt durch die Straßen, will sich schließlich umbringen, aber das klappt nicht. (Witzige Szene: er legt sich auf die Straße, ein monströser Laster naht, bleibt vor ihm stehen, er winkt ihm weiter zu fahren – aber statt überfahren zu werden, wird er im LKW mitgenommen.)

Alles weitere muss man nicht im Detail erzählen. Es folgen schnelle Schnitte, Groß-Nah-Aufnahmen von Gesichtsausschnitten, die R. treffend als übergriffig benennt, eine turbulente Handlung, in der eine Frau mit einer nervigen hohen Stimme, eine Rolle spielt,… Das ist ziemlich klamottig. Es fehlen Prägnanz und Timing, die für gute Komöden wichtig sind. Karikiert werden jüdische Familien, aber da gibt es schon viele deutlich bessere Filme. Satt macht das hier nicht und so richtig Spaß auch nicht.

Und wie sieht es mit dem Berlinale-Trauma aus?

Wir finden einen guten Platz zum trinken und reden. Das macht viel mehr Spaß als der Film. Wir analysieren voller Lust, kommen von einem zum anderen Thema. Das Trauma ist nicht getilgt, aber im gemeinsamen Nachbereiten befriedet. Was für ein Vergnügen!

Favoriten

Sektion: Encounters – Österreich 2024 – 118 Minuten

Sprache: deutsch, türkisch, Englische Untertitel

Wir starten in die 74. Berlinale mit dem neuen Film von Ruth Beckermann. Von ihr habe ich 2018 „Waldheims Walzer“ gesehen.

Nun hat sie (mit Elisabeth Menasse als Drehbuch-Co-Autorin) einen Dokumentarfilm in einer Schule im Wiener Bezirk Favoriten gedreht. Mit einem Film-Team haben sie Kinder von der zweiten bis zur vierten Klasse gefilmt. Ziemlich zu Beginn des Films erklärt der – erstaunlicher Weise weder zynische noch klagendsame (er hätte viele Gründe) – Schulleiter dem Kollegium, dass leider die Sozialarbeiterin woanders noch mehr gebraucht wird und deshalb nicht mehr zur Verfügung steht und die Schulpsychologin wegen Schwangerschaft auch demnächst nicht mehr kommt.

Man sieht die Kinder mit ihrer beeindruckenden Lehrerin Ilkay Idiskut in ihrem ausgesprochen kleinen Klassenzimmer, im Unterricht, beim Interagieren, bei Bewegungsspielen, Konflikten, Elterngesprächen, etc. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern und kulturellen Hintergründen (Syrien, Serbien, Rumänien, Mazedonien, der Ukraine, Tschetschenien, der Türkei,…). Alle kämpfen nicht nur mit der deutschen Sprache.

Durch die Kamera kommt man den Kindern sehr nah. Es ist erstaunlich, dass die Anwesenheit der Kamera offenbar gar nicht stört und ich kann mir kaum vorstellen, wie der Kameramann sich in der bestehenden Enge des Klassenraumes überhaupt bewegen konnte. Man bekommt die Spannungen mit, das Ringen der Kinder mit all den Anforderungen, ihr Scheitern, ihre Fortschritte und ahnt ihre Konflikte im Feld zwischen Schule, Elternhaus, Religion, Herkunft und neuer Heimat,…

Bemerkenswerte Szenen:

  • Die Bewegungen der Kinder zum Lied „Körperteil-Blues“
  • Zwei Jungs versuchen den Begriff „Kultur“ zu erklären
  • Ausflug in den Stephans Dom (nein, römisch-katholisch haben wir nicht in der Klasse)
  • der unbeholfene und unsäglich ignorant wirkende Priester, der ohne Zusammenhang und ohne irgendwas zu erklären vom Leib Christi im Tabernakel spricht , dafür aber ständig wiederholt, dass der Stephans Dom jedem gehört (oberpeinlich)
  • die Erklärungen zur Entstehung des Ukraine-Krieges aus zwei unterschiedlichen Positionen
  • der Junge, den die Lehrerin zu seiner Haltung zur Gewalt gegen andere befragt

Es gibt sehr viel Aplaus für den Film und anschließende Q&A mit Ruth Beckermann (im grünen Hosenanzug). Die auch anwesende Lehrerin (2. von links) ist leider heiser.

Eine Frage aus dem Publikum: inwieweit R. B. von der Langzeit-Dokumentation „Die Kinder von Golzow“ beeinflusst ist. – Gar nicht. Sie kennt diese Doku nicht.

Ich bin begeistert von dem Film, musste lachen, weinen, habe mit den Kndern gelitten und habe Einblicke bekommen, die ich sonst nicht habe und die ich mich noch beschäftigen.

Vor dem ersten Film

Wir haben es gut geschafft und sind frühzeitig in der Akademie der Künste angekommen. Hier ist es ausgesprochen ruhig und ziemlich leer.

Es ist sogar noch Zeit für einen Café und ein zweites Frühstück