Drittens: Barbara

Zu dieser Karte bin ich „versehentlich“ gekommen, also ohne dass ich sie bestellt habe. Das passiert auf der Berlinale recht selten. Mein Vorsatz – nur einen Film am Tag sehen, geriet durch diesen Zufall erstmals ins Wanken, ein zweites Mal als der nette Mann am Ticket-Schalter mich verdutzt anschaute, weil ich die Karten für „Barbara“ zurückgeben wollte. Ich behielt die Karten für den Film, der mich ja auch interessierte und wegen des Angebotes abgeholt zu werden, fiel die Entscheidung zum Hingehen dann leicht.

Die Story: 

DDR in den 80ziger Jahren, Sommer, die Ärztin Barbara (Nina Hoss) wird nach ihrem Ausreiseantrag in ein Provinzkrankenhaus strafversetzt. (Es soll MeckPom sein, sieht aber aus wie Brandenburg). Ihr Geliebter aus dem Westen bereitet die Flucht vor, ab und zu treffen sie sich heimlich. Sie arbeitet in der Kinderchirurgie (das ist irgendwie Quatsch, kinderchirurgische Abteilungen sind in der Provinz unüblich, eine Allgemeinchirurgie hätte auch gereicht). Es wird eine Atmosphäre aus Misstrauen, Skepsis, Bespitzelung dargestellt. Nur ihr Chef (Ronald Zehrfeld) ist freundlich zu ihr. Das macht sie misstrauisch, verwirrt sie aber auch. – Für den Fall, dass Ihr den Film sehen wollt, verrate ich nicht mehr.

Ich dachte während des Films: „Mann, ist Nina Hoss dünn!“ (das dachte ich sehr oft), „wo sie das wohl gedreht haben?“, „jetzt kuckt sie aber bedeutungsvoll…“, „ach diese Schauspielerin wird für solche Rollen immer ausgesucht…“, „das mit dem Ambiente haben sie aber toll hinbekommen“, usw. – Diese Distanz und andere überambitioniert wirkende Dinge wie das mit der Kinderchirurgie haben mich ablenkt.

Mich erreichte vor allem der männliche Hauptdarsteller, Ronald Zehrfeld. Den fand ich spannend, vermutlich auch weil ich sein Gesicht noch nicht so oft gesehen habe und er nicht “verbraucht” ist. Einige andere Darsteller wirken wie Schauspieler, die DDRler spielen wollen. 

Ab Anfang März kommt er in die Kinos, sehenswert ist er trotz meiner kritischen Anmerkungen.

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